6. Kapitel

"te"-Form, fortgeschrittene Konjugation

Inhalt


"te"-Form

Die sog. "te"-Form ist Grundlage für mehrere wichtige Konstruktionen. Die Bildung dieser Form bei den verschiedenen Verben können Sie dem Anhang 1 entnehmen, der auch zahlreiche Beispiele enthält. Benutzt wird die "te"-Form u.a. für folgendes:

1. "und": Aneinanderhängen von Sätzen (Anschlußform)

Verbindet man Nomina mit "und", so verwendet man im Japanischen "to" oder "ya". Diese Partikel können jedoch keine Sätze verbinden (bzw. wenn doch, dann bedeutet es nicht mehr "und"). Statt dessen wird das Verb des ersten Satzes in die "te"-Form gebracht. Die Konjugation des Gesamt-Satzes richtet sich dann allein nach dem hinteren Verb. Damit das geht, müssen beide Sätze in Tempus, Modus und Thema übereinstimmen.

Beispiel: Watashi ha depaato ni ikimasu. (Soko de) hon wo kaimasu - Ich gehe in ein Kaufhaus. Ich kaufe (dort) ein Buch. Das wird zu: Watashi ha depaato ni itte, hon wo kaimasu - Ich gehe in ein Kaufhaus und kaufe ein Buch.

Man kann auch mehrere Sätze auf diese Weise aneinanderhängen.

Beispiel: Reiko-san ha gakou wo demashita. Reiko-san ha basu ni norimashita. Uchi ni kaerimashita. - Reiko verließ die Schule. Reiko / sie nahm einen Bus. Sie kehrte nach Hause zurück. -> Reiko-san ha gakou wo dete, basu ni notte, uchi ni kaerimashita - Reiko verließ die Schule, nahm einen Bus und kehrte nach Hause zurück.

Das Subjekt muß nicht unbedingt in allen Teilsätzen gleich sein, aber das Satzthema: Boku ha tomodachi ni atte, isho ni resutoran de ryouri wo tabemashita - Ich traf einen Freund und zusammen aßen wir in einem Restaurant. Würde man die Sätze haben "Herr Müller traf seinen Freund" und "Frau Maier aß im Restaurant", dann könnte man sie mit der Anschlußform natürlich nicht zusammenfügen.

Die Anschlußform für Sätze ist ganz analog zur Anschlußform bei echten Adjektiven ("...kute"). Im Gegensatz zur "tari"-Form, die auch eine Aufzählung von Aktionen darstellt, legt die Anschlußform die Reihenfolge fest: "zuerst machte ich Handlung 1, dann Handlung 2", während bei der "tari"-Form die Reihenfolge egal ist und weitere, nicht explizit aufgeführte Aktionen stattgefunden haben können.

Die Anschlußform kann gelegentlich auch "weil" bedeuten: takakute kaemasen deshita - es war teuer und ich konnte es nicht kaufen -> weil es teuer ist / war, konnte ich es nicht kaufen (takai - "hoch" oder "teuer (sein)"; kau - "kaufen", kaeru - kaufen können).

1b. alternative Form der Anschlußform

In der Schriftsprache wird die "te"-Form oft ersetzt. Für das Verb des Nebensatzes benutzt man dann einfach den "masu"-Stamm, bei i-Adjektiven wird das "te" weggelassen.

Beispiel: Ich esse und sehe dann fern - Gohan wo tabete, terebi wo mimasu -> Gohan wo tabe, terebi wo mimasu.

2. "und danach": zeitliche Abfolge

<Satz 1 mit "te"-Form> kara <Satz 2>.

Beispiel: Biideo wo kaimashita. Biideo wo mimashita. - Ich kaufte ein Video. Ich sah es mir an. -> Biideo wo katte kara, mimashita. - Ich kaufte ein Video und sah es mir dann an.

3. Imperative

Die "te"-Form bildet die Grundlage für diverse Wunsch-, Aufforderungs- und Befehlsformen.

Beispiele:

4. Verlaufsform (jap. SHIN KOU KEI)

Diese Form entsprich der englischen "-ing"-Form und wird gebildet mit der "te"-Form + iru / imasu, z.B. shite iru / imasu (I am doing). Die Verlaufsform wird im Japanischen relativ häufig verwendet.

Weitere Beispiele:

Die gleiche Form in etwas anderer Bedeutung verwendet man auch oft (aber nicht zwingend), um allgemeine Gewohnheiten auszudrücken: jeden Tag, jede Woche etc: Mai nichi Kanji no benkyou shite imasu - Ich lerne jeden Tag Kanji oder Mai asa koohii wo nonde imasu - Jeden Morgen trinke ich Kaffee

5. Andauernder Zustand

Diese Konstruktion ähnelt äußerlich der Verlaufsform: <Verb-"te"-Form> iru / imasu. Bei dem Verb muß es sich dabei um ein intransitives Verb handeln. Bei transitiven Verben muß man <Verb-"te"-Form> aru / arimasu benutzen. Da sich transitive und intransitive Verben natürlich in der Bedeutung jeweils unterscheiden, sind auch diese "te"-Konstruktionen in der Bedeutung verschieden, allerdings nur ein wenig. Bei "-te arimasu" vermutet der Zuhörer eine absichtlich geschehene Handlung, bei "-te imasu" einfach nur die Beschreibung eines Zustandes.

Beispiele, die die beiden Konstruktionen und ihren subtilen Unterschied bei der Bedeutung erläutern:

Denki ga tsuite imasu - Das Licht ist an. (tsuku - (selbst) angehen, intransitiv). "-te imasu" beschreibt den Zustand.

Denki ga tsukete arimasu - Das Licht ist an(gemacht worden). (tsukeru - etwas anmachen, einschalten (transitiv). "-te arimasu" beschreibt den Zustand als Resultat einer vorherigen Handlung.

Mado ga aite imasu - Das Fenster ist auf. (aku - offen sein, intransitiv)

Mado ga akete arimasu - Das Fenster ist auf(gemacht worden). (akeru - öffnen, transitiv)

Kuruma ga tomatte imasu - Das Auto hält. (tomaru - selbst anhalten, intransitiv).

Kuruma ga tomete arimasu - Das Auto hält (ist angehalten / geparkt worden). (tomeru - etwas anhalten, transitiv).

Ein schönes Beispiel für den Unterschied zwischen "-te iru" mit intransitiven Verben und "-te aru" mit transitiven Verben illustriert folgeder Satz:

X sagt zu Y:koohii ga irete arimasu - Der Kaffee ist fertig (wörtlich: hineingetan worden seiend). Y versteht das so, daß X ihn damit auffordert, sich von dem Kaffee zu nehmen ("ich habe für Dich Kaffee gemacht"). Wenn X hingegen sagt koohii ga haitte imasu - Der Kaffee ist fertig (wörtlich: befindet sich hineingegangen), dann ist das lediglich eine Feststellung des Zustandes. ("Aus irgendwelchen Gründen ist da jetzt Kaffee, das hat aber nichts weiter mit Dir zu tun".)

Mit "-te arimasu" drückt der Sprecher etwas von seinem subjektiven Standpunkt aus, mit "-te imasu" macht er nur eine objektive Feststellung.

Unterschied zur Verlaufsform ("-te imasu" mit transitiven und intransitiven Verben): Watashi ha kuruma wo tomete imasu - Ich bin dabei, das Auto anzuhalten. Das Auto ist hier direktes Objekt: wo statt ga. Oder z.B.: Watashi ha koohii wo irete imasu - Ich mache Kaffee.

Und noch ein Beispiel für einen Zustand, bei dem es nur ein intransitives Verb gibt: Tomodachi ga kite imasu - Mein Freund ist (zu Besuch) gekommen (und immer noch da).

6. Versuchen

"-te miru". Dieses miru wird in Hiragana geschrieben und hat nichts mit dem "sehen"-miru zu tun.

Beispiele: Kono hon wo yonde mite kudasai - Bitte versuchen Sie, dieses Buch zu lesen.

Toumasu-san ha hitori de shiyakusho ni itte mimashita - Thomas versuchte, alleine ins Rathaus zu gehen.

Yakusoku no jikan ni tomodachi ga konakatta kara, boku ha denwa wo kakete mimasu - weil zu der verabredeten Zeit mein Freund nicht gekommen ist, versuche ich, ihn anzurufen. (denwa wo suru oder denwa wo kakeru - "anrufen".)

Für "versuchen" / "probieren" gibt es übrigens auch ein eigenes Verb, nämlich tamesu.

7. "lassen" / "vorbereiten"

Diese Form kann gebildet werden mit "-te oku". Oku heißt für sich allein "abstellen", "legen", "dalassen".

Beispiele:

Boku ha mado wo akete okimasu - Ich lasse das Fenster offen.

Watashi ha koko ni rei wo kaite okimasu - Ich lasse das Beispiel hier geschrieben stehen.

Oft benutzt: shite okiru / okimasu - vorbereiten, herrichten ("tun und dann so lassen"). Eine wörtliche Übersetzung ins Deutsche ist allerdings schwierig:

O-kyaku-san ga kuru kara, watashi ha heya wo souji shite okimasu - weil ein Gast kommt, mache ich vorher das Zimmer sauber. (souji (wo) suru - "putzen", "kehren" etc.

Nihon ni iku mae, boku ha omiyage wo katte okimasu - Bevor ich nach Japan fahre, kaufe ich (zur Vorbereitung) Geschenke. (kau = "kaufen", "te"-Form davon: kaite.)

8. Entschuldigung

Wenn man sich mit sumimasen entschuldigt, muß das vorhergehende Verb in der "te"-Form stehen (weil "sumimasen" selbst ein Verb ist, genauergesagt die Verneinungsform davon).

Beispiel: Taihen okurete sumimasen - Es tut mir leid, daß ich so spät bin.

9. Zeitliche Entwicklung mit "natte iku / kuru"

iku ("hingehen") und kuru ("herkommen") können nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich benutzt werden, um eine Entwicklung von früher bis jetzt (kuru) oder ab jetzt in die Zukunft (iku) zu beschreiben. Üblicherweise wird dabei das Verb naru ("werden") benutzt.

Es ist kälter geworden - Samuku natte kimashta.


Volitional

Die PL3-Version wird gebildet mit dem "masu"-Stamm + mashou und wird hauptsächlich verwendet als Aufforderung an Gleichgestellte: Laß uns essen - tabamashou.

Wenn man das zu Höhergestellten, etwa seinem Chef, sagt, benutzt man die PL3-Verneinung: Wollen wir nicht essen gehen? - tabemasen ka.

Die PL2-Form wird wie folgt gebildet: bei schwachen (einstufigen) Verben wird -ru ersetzt durch -you: taberu -> tabeyou; oshieru - oshieyou.

Die beiden unregelmäßige Verben: suru - shiyou; kuru - koyou.

Starke (fünfstufige) Verben: das letzte u wird ersetzt durch ou: kaku - kakou; au - aou; oyogu - oyogou.

Weitere Beispiele finden Sie in der Konjugationstabelle.

Die PL2-Form wird auch verwendet, wenn man zu sich selbst spricht, und bedeutet dann: "ich will... / ich habe vor ...".

Beispiel: Ich will in Tokyo viele Animeläden besuchen - Watashi ha Toukyou de takusan no anime no mise ni ikou.


"tari"-Form


Geben und bekommen

Für "geben" und "bekommen" gibt es mehr Verben als im Deutschen, je nachdem, wer wem was gibt oder bekommt. Außerdem kann man im Japanischen nicht nur Gegenstände, sondern auch Aktionen / Tätigkeiten geben oder bekommen. Das übersetzt sich dann beispielsweise mit "bitte"!

Zunächst die Verben:

Konjugation von "geben" und "bekommen"
PL2 PL3 PL4 Bescheidenheit (Kenjougo) PL4 Respekt (Sonkeigo)
geben (von unten nach oben oder bei Gleichgestellten): ageru agemasu sashiageru / sashiagemasu (ich gebe einem Höhergestellten) -
geben (jemand gibt mir): kureru kuremasu - kudasaru / kudasaimasu (kudasai) (ein Höhergestellter gibt mir)
geben (nach unten, z.B. Tiere) yaru yarimasu - -
bekommen: morau moraimasu itadaku / itadakimasu (ich bekomme von einem Höhergestellten) -

Hier ist eine gute Gelegenheit, ein bißchen näher auf die Höflichkeitsstufen einzugehen: ob ich yaru / ageru / sashiageru / ... (PL2) oder yarimasu / agemasu / sashiagemasu / ... (PL3) verwende, hängt davon ab, mit wem ich spreche. Ob ich yaru / yarimasu, ageru / agemasu, oder sashiageru / sashiagemasu verwende, hängt davon ab, über wen ich spreche.

Äußerst wichtig ist es, ageru und kureru nicht zu verwechseln:

A gibt B -> ageru

Ich gebe A -> ageru

A gibt mir -> kureru

Ich bekomme von A -> morau

*

1. Beispiel: "Geben" und "bekommen" zwischen gleichgestellten dritten Personen

Herr Hayashi gibt Frau Suzuki ein Buch - Hayashi-san ha Suzuki-san ni hon wo agemasu.

Umgekehrt gesehen: Frau Suzuki bekommt von Herrn Hayashi ein Buch - Suzuki-san ha Hayashi-san ni (oder kara) hon wo moraimasu.

Frau Noda hat Herrn Kobayashi ein Fahrrad gegeben - Noda-san ha Kobayashi-san ni jitensha wo agemashita.

Herr Kobayashi hat von Frau Noda ein Fahrrad bekommen - Kobayashi-san ha Noda-san kara (oder ni) jitensha wo moraimashita.

2. Beispiel: "Geben" und "bekommen" zwischen Gleichgestellten mit mir als Beteiligtem:

Ich gebe Reiko Pralinen - Watashi ha Reiko-san ni okashi wo agemasu.

Der umgekehrte Satz ("Reiko bekommt von mir Pralinen") wird im Japanischen nicht verwendet, obwohl er grammatikalisch kein Problem ist.

Wenn jemand mir (oder einem Mitglied meiner Gruppe) etwas gibt, muß man "kureru" verwenden: Reiko gibt meiner Mutter Blumen - Reiko-san ha haha ni hana wo kuremasu.

Und wieder umgekehrt: Meine Mutter bekommt von Reiko Blumen - Haha ha Reiko-san ni hana wo moraimasu.

3. Beispiel: "Geben" und "bekommen" mit einem Höhergestellten und mir als Beteiligtem:

Der Abteilungsleiter hat mir ein Buch gegeben - Buchou ha watashi ni hon wo kudasaimashita.

Ich habe vom Abteilungsleiter ein Buch bekommen - Watashi ha Buchou kara hon wo itadakimashita.

Ich habe dem Abteilungsleiter ein Buch gegeben - Boku ha Buchou ni hon wo sashiagemashita.

Der umgekehrte Satz ("Der Abteilungsleiter hat von mir ein Buch bekommen") wird wiederum nicht verwendet.

Noch ein Beispiel mit "itadaku": Herr Hayashi ist bei Frau Suzuki zu Gast. Diese bietet ihm Tee an: O-cha ha ikaga desu ka - Wie wäre es mit etwas Tee? Hai, itadakimasu - Ja, bitte (wörtlich: Ja, ich bekomme es). Das ist allerdings eine feststehende Redewendung.

4. Beispiel: nach unten geben:

Ich gebe der Katze Futter - Watashi ha neko ni esa wo yaru.

Ich geben den Blumen Wasser - Watashi ha hana ni mizu wo yarimasu.

"Geben" und "bekommen" als "Bitte"

Wie schon erwähnt, kann man im Japanischen auch Handlungen geben und bekommen. Zumindest mit "bekommen" geht das auch im Deutschen, etwa "ich bekomme ein Buch gekauft". Das Verb vor "geben" / "bekommen" wird in die "te"-Form gesetzt.

Dazu können Sie sich folgenden Satz merken: Kisu shite kure! Das ist etwas verkürzt von Kisu wo shite kure! (Kuß machen gib!) = Küß mich. Höflicher wäre Kisu wo shite kudasai - Bitte küß mich. Da ich den Kuß bekommen soll, muß man kureru bzw. dessen Imperativ kure oder die höfliche Version davon kudasai beutzen.

Beispiel: Die Mutter kauft dem Kind ein Eis - Haha ha kodomo ni aisukuriimu wo katte agemasu. kau = "kaufen".

Das Kind bekommt von der Mutter ein Eis gekauft - Kodomo ha haha ni aisukuriimu wo katte moraimasu.

*

Von all diesen Möglichkeiten, wer wem etwas gibt oder wer von wem etwas bekommt, gibt es zumindest eine, für die es im Deutschen eine spezielle Übersetzung gibt, nämlich (Watashi ha anata ni) ...te morau - sollen (Du sollst für mich etwas tun). Den kompletten Satz kann man, wie im Japanischen üblich, ziemlich stark abkürzen, wenn klar ist, daß das Subjekt "watashi" und das Dativ-Objekt der Angesprochene ist; dann bleibt nur noch ...te morau / ...te moraimasu übrig.

Milk und Cafe au Lait führen uns das mal an Da Cider und Lamuness vor (aus Folge 12 von Lamune Fire):

JASMS Japanisch Sprachkurs - Shinde moraimasu!

Shinde moraimasu! - Ihr sollt sterben! (oder, wenn nur einer angesprochen sein sollte: Du sollst sterben!)

Ausführlich würde das heißen: Atashitachi ha kisamara ni shinde moraimasu! - Wir bekommen von Euch, daß ihr sterbt! (shinu = "sterben", shinde = te-Form davon.)

Nebenbei bemerkt: üblicherweise ist der Ausdruck der Wahl in Animes eher kurz und bündig Shine! - Stirb!


Modalverben

Modalverben gibt es im Japanischen in dieser Form nicht. Die entsprechenden Sätze ("wollen", "können", "dürfen", "müssen", "sollen" usw.) werden anders konstruiert. Darüber hinaus gibt es weitere ähnliche Ausdrücke dieser Art im Japanischen, die wiederum im Deutschen kein Modalverb haben. Hier ein Überblick:

wollen

PL2: Verbstamm + -tai (ich will) / -takunai (ich will nicht) / -takatta (ich wollte) / -takunakatta (ich wollte nicht). Wie man sieht, konjugiert sich diese Form wie ein echtes Adjektiv. Entsprechend sieht die PL3-Form aus: Verbstamm + -tai /... desu.

Beispiel: Ich will essen: tabetai. Ich möchte nicht essen: tabetakunai desu.

Anmerkung: Die "-tai"-Form kann nur für eigene Wünsche benutzt werden, denn nach japanischer Logik kann man nicht in einen anderen hineinsehen und wissen, was er will. Folgendes geht aber:

Frage: Willst du <etwas machen> - <Nani ka> wo shitai desu ka?

Er will <etwas machen> wird zu : es sieht so aus, als wolle er ...: ... shitai sou desu.

Für die dritte Person gibt es noch eine Möglichkeit, einen sehr starken Wunsch auszudrücken: "Masu"-Stamm + tagaru. Beispiel: Er will es unbedingt tun: kore wo shitagaru. suru = "tun". "Masu"-Form davon shimasu -> shitagaru.

mögen, gerne machena

Bildung: <Verb-Grundform> no ga suki da / desu

Beispiel: Ich fahre gern Ski: Watashi ha ski wo suru no ga suki desu.

können I

Bildung: <Verb-Grundform> koto ga dekiru / dekimasu

Beispiel: Ich kann Ski fahren - Watashi ha ski wo suru koto ga dekimasu.

können II

Man kann Verben auch direkt konjugieren, um "können" auszudrücken. Das letzte u entfällt und wird ersetzt durch eru (bei starken Verben und neuerdings auch bei schwachen Verben) bzw. areru (bei schwachen Verben früher. Diese Form wird von jungen Leuten kaum noch verwendet).

Beispiel: taberu (schwaches Verb) -> taberareru (alt) / tabereru (neu) bzw. in PL3: taberaremasu (alt) / teberemasu (neu) = "essen können". yomu (starkes Verb) -> yomeru (PL2) / yomemasu (PL3) = "lesen können".

Unregelmäßigkeiten: suru / shimasu -> dekiru / dekimasu = "tun können". kuru / kimasu -> korareru / koreru = "kommen können".

nicht können

Die Form mit dekiru verneint sich ganz normal mit dekinai / dekimasen. Die Form mit -eru / - areru hat allerdings 2 Verneinungsformen. Neu: -enai / -arenai. Alt (d.h. klassisches Japanisch): -ezu / -arezu. Die alte Form sollte man immerhin mal gesehen haben.

dürfen

"te"-Form mo ii (desu ka) / kamaimasen

Beispiele: Darf ich essen - Tabete mo ii desu ka. Antwort: Du darfst nicht essen - tabete ha dame desu. Macht es Ihnen etwas aus, wenn ich rauche? - Tabako wo suttemo kamaimasen ka. Antwort zum Beispiel: Iie, douzo - Nein, bitte sehr.

nicht dürfen

"-te" ha ikemasen (ikemasen - "es kann nicht gehen") oder etwas umgangssprachlicher: "-te" ha dame (desu).

Beispiel: In der Bibliothek darf man nicht reden, essen und trinken. Eine Möglichkeit wäre: Toshokan de (ha), hanashitari, tabetari, nondari shite ha ikemasen. Andere Möglichkeit: Toshokan de (ha) hanashite, tabete, nonde ha dame desu.

Mit Adjektiv: In der Bibliothek darf man nicht laut sein - Toshokan de urusaku shite ha ikemasen. (urusai = "laut", urusaku ist das Adverb davon).

Bedauern, Überraschung, Aktion beendet haben

Für diese Konstruktion gibt es im Deutschen kein Analogon. Die Übersetzung hängt also vom Einzelfall ab, aber den generellen Sinn kann man recht leicht verstehen. Nimmt man die te-Form eines Verbs + shimau / shimatta, so wird ausgedrückt, daß die Aktion komplett beendet ist. Außerdem kann noch ein Unterton von Überraschung, Bedauern oder Problematik beinhaltet sein. Für sich allein heißt shimau "(be)enden". Wichtig ist auch die umgangssprachlich Kontraktion: ...te shima... wird zu ...cha...

Ein Beispiel aus dem täglichen Leben. In der Mittagspause unseres Kurses besuchten wir ein ausgesprochen leckeres China-Restaurant. Nach dem Essen meinte mein Lehrer: Tabechatta! Expandiert heißt das Tabete shimatta = schade, daß das Essen schon vorbei ist. Tabete ist die te-Form von taberu = essen. In PL3 würde das heißen: tabete shimaimashita.

Noch ein Beispiel aus dem Mangajin: eine Frau ist in einem Geschäft und sieht eine schöne Bluse. Nur leider ist sie so teuer, daß sie sie sich eigentlich nicht leisten kann. Sie ist aber entschlossen, sie trotzdem zu kaufen und sagt zu sich selbst: Katchau, katchau! Katte (te-Form von kau - kaufen) shimau heißt somit so was wie Ich muß es einfach kaufen.

müssen / sollen

Diese Konstruktion unterscheidet sich von dem Gebrauch der deutschen Modalverben "müssen" bzw. "sollen" sehr stark und wird etwa so in Worte gefaßt: Wenn du es nicht machst, kann es nicht gehen. Da es recht zahlreiche Möglichkeiten für diesen Konditional und seine Bestandteile gibt, kann man die Idee von "müssen" und "sollen" auf mehrere Arten ins Japanische übertragen.

Die gängigste Konstruktion ist: <Verb-PL2-Verneinung-Gegenwart-Stamm> + kuteha ikenai / -nakereba naranai. Ikenai heißt "es kann nicht gehen", naranai heißt "es wird nichts" (von "naru" - "werden", z.B.: Ich werde Anwalt - Watashi ha bengoshi ni naru).

Anmerkung: Japanisch kann man, wie ich schon erwähnte, nicht aus Büchern oder Internet-Dateien lernen, sondern nur durch Sprechen-Üben. So kompliziert, wie es oben steht, ist es gar nicht: jedes Kind in Japan beherrscht das im Schlaf.

Beispiel: suru - shinakute ha ikemasen (Ugs. shinakucha ikemasen) = du muß (es) tun oder shinakereba naraimasen (Ugs. shinakya naraimasen).

Beispiel: taberu - tabenakute ha ikemasen (Ugs. tabenakucha ikemasen) = du mußt essen.

Muß man etwas unter äußerem Zwang machen, benutzt man oft auch den Kausativ-Passiv (siehe dort).

nicht müssen / sollen

Das wird ungefähr so ausgedrückt: wenn du es nicht machst, ist es ok. Die gängigste Konstruktion hierfür ist: <Verb-PL2-Verneinung-Gegenwart-Stamm> + ku te mo ii (desu).

Beispiel: suru - shinakute mo ii desu = wenn du es nicht machst, ist es gut = du mußt es nicht machen. suru - "tun", shinai ist die Verneinungs-Grundform davon.

vielleicht / vermutlich

<Satz bzw. Verb-Grundform> kamo shirenai (PL2)/ shiremasen (PL3).

Beispiel: Boku ha iku kamo shiremasen = vielleicht gehe ich (hin).


Futur ...

... gibt es in unserem Sinne im Japanischen auch nicht. Wenn man sagen will, daß man etwas tun wird / (sicher) vorhat zu tun, dann benutzt man folgende Konstruktion: <Verb-Grundform> tsumori da / desu (PL2 / PL3). Verneinung davon: tsumori deha nai (PL2) / tsumori ha arimasen (PL3).

Beispiele:


Imperativ: Befehle und Verbote

Im Latein-Unterricht lernt man, daß es 2 Imperative gibt (z.B. "Tu!" und "Tun Sie!"). Und da anscheinend auch nach 2000 Jahren die europäischen Sprachgelehrten den Ehrgeiz haben, die Grammatiken ihrer Sprachen so weit als möglich auf die lateinische abzubilden, bekommt man auch im Deutsch-Unterricht erzählt, daß es in unserer Sprache genau 2 Imperative gibt. Das ist zwar nicht falsch, aber im Lichte des Japanischen betrachtet sieht die Sache selbst im Deutschen etwas anders aus. Man könnte ohne weiteres sagen, daß es mindestens 4 Formen gibt. Bsp.: "Gib!", "Geben Sie!", "Gib (mir) bitte!" und "Geben Sie (mir) bitte". Im Japanischen gibt es noch viel mehr Imperative und Wunsch-Formen, wie üblich geordnet nach Höflichkeit, eigener Unterwürfigkeit, Umgangs- und Formalsprache usw.

(Noch eine Anmerkung zum Latein: die lateinische Grammatik gilt unseren Gelehrten als Muster für Klarheit und Regelmäßigkeit. Wer Englisch, Persisch, Chinesisch, Ungarisch oder Japanisch lernt, kommt jedoch eher zu dem Schluß, daß die lateinische Sprache ein Musterbeispiel für unnötigen Ballast und sinnlose Erschwernisse aller Art ist. Wozu braucht man ein Dutzend Konjugationen und Deklinationen, wenn es auch fast ohne geht, und zwar sehr gut?)

Wenn Sie also jemanden auffordern, etwas zu tun oder Ihnen etwas zu geben (was im Japanischen die gleiche grammatikalische Form haben kann), dann können Sie das unter anderem so tun:

Möglichkeit 1a) und 1b) - höfliche Aufforderung

Möglichkeit 2) - einfacher Imperativ

Das, was man im japanischen Grammatik-Lehrbuch und "Imperativ" oder "einfacher Imperativ" findet, bildet sich folgendermaßen: Bei starken Verben wird das letzte "u" durch "e" ersetzt: iku -> ike - Geh!, shinu -> shine - Stirb! (hört man oft in Animes, ansonsten wohl eher selten). Bei schwachen Verben wird das "u" durch "o" ersetzt: taberu -> tabero - Iß!, miru -> miro - Schau!

Diese Form ist ein sehr direkter Befehl und sollte daher nur vom Chef zum Knecht benutzt werden (Es klingt so ein bißchen nach Kasernenhof.)

Weitere Beispiele finden Sie im Anhang.

Möglichkeit 3) - Starkes Verbot

Grundform + na! Das "na" sollte kurz und betont ausgesprochen werden.

Beispiel: Tu (es) nicht - suru na.

Möglichkeit 4) - Starker Befehl

"masu"-Stamm + na! Das "na" sollte kurz und betont ausgesprochen werden. Achtung: nicht verwechseln mit 3)

Beispiel: Zur Seite - Doki na. doku = zur Seite gehen. "masu"-Form davon: dokimasu.

Ebenso wie der einfache Imperativ (Möglickeit 2) ist diese Form sehr direkt und sehr unhöflich.

Möglichkeit 5) - Aufforderung

"masu"-Stamm + nasai. Diese Form wird sehr häufig verwendet.

Beispiel: Iß anständig - Chanto tabenasai!


"während"

1. Haupt- und Nebensatz haben gleiches Subjekt:

"masu"-Stamm + nagara, <Satz 2>

Beispiel: Während ich Radio höre, esse ich - Rajio wo kikinagara, tabemasu. "Hören" = kiku; "masu"-Form davon = kikimasu -> kikinagara.

Nach japanischem Verständnis ist dabei der 2. Teilsatz das wichtige. Im obigen Beispiel geht es also ums essen, während dessen ich noch irgend etwas anderes (unwichtiges) mache.

Umgekehrt wäre es dann: Ryouri wo tabenagara, rajio wo kikimasu - Ich höre Radio und mache dabei noch was anderes (nämlich essen).

Wie üblich, ist die Zuordnung japanischer und deutscher Vorstellungen nicht 1:1 möglich, d.h. es gibt noch eine weitere Form, die man ggf. mit "während" übersetzen kann, und die weiter unten vorgestellt wird.

2. Haupt- und Nebensatz haben (meistens) verschiedenes Subjekt:

<Satz 1 Grundform" + aida (ni), <Satz 2>. aida heißt wörtlich "Zwischenraum" oder auch "Zeitraum".

Beispiele:

Während der Sommerferien habe ich einen Job - Natsuyasumi no aida, boku ha arubaito wo shimasu. arubaito oder kurz baito kommt vom deutschen "Arbeit", bedeutet aber "Nebenjob", insbes. "Studenten-Teilzeitarbeit".

Während Frau Nakamura im Supermarkt einkauft, wartet draußen ihr Hund - Nakamura-san ga suupaa de kaimono wo shite iru aida, soto de Nakamura-san no inu ha mate imasu.


"wenn"

"Wenn" / "falls". Dafür gibt es im Japanischen 6 verschiedene Möglichkeiten: toki, baai, nara, eba, tara, to. Dazu gibt es Überschneidungen mit Temporalsätzen. Das ist genauso wie im Deutschen, beispielsweise: "Wenn Müller kommt, gehe ich". Das kann man als Bedingung oder als Angabe eines Zeitpunktes auffassen.

Konstruktion: <Nebensatz / Bedingung> toki / baai / ... <Hauptsatz>.

Zunächst die rein zeitliche Beziehung mit toki:

1. toki: wenn / während / bei (einer Gelegenheit)

<Ereignis> no toki (ni) ... oder <Satz in Grundform-Präsens> toki (ni) .... Das "ni" ist optional; ohne "ni" ist es umgangssprachlicher, mit "ni" etwas formaler.

Beispiel: Während der Party habe ich viel gegessen: paati no toki boku ha takusan tabemashita.Wenn ich nach Hause gehe, kaufe ich eine Zeitschrift: uchi ni kaeru toki ni sasshi wo kaimasu.

Für die 5 folgenden Konditionalformen gilt:

1.) Steht der Haupsatz in der Vergangenheit, wird ein reiner Irrealis ausgedrückt (z.B. "wenn ich Geld gehabt hätte" - ich hatte aber keins). Andernfalls muß das Verb des Hauptsatzes in der Gegenwart stehen.

2.) Ist der Nebensatz ein kompletter Satz, muß man zwischen den 5 Formen gut unterscheiden. Ist es nur ein Adjektiv, dann ist es mehr oder weniger egal, welche Form man nimmt.

3.) Teilweise überscheiden sich die Anwendungsgebiete ziemlich stark, und auch die Japaner halten die hier angegebene Trennung nicht immer strikt ein.

Und hier nun die Formen und die wichtigsten Anfängerregeln für ihre Verwendung:

2. baai (ha): völlig offene Bedingung

Dies wird oft übersetzt mit "falls" / "im Falle von". Man kan baai-Sätze nicht verwenden bei Bitten (z.B. "... kudasai").

baai ist eigentlich ein Nomen, daher ist die Konstruktion:

<i-Adjektiv> baai / <na-Adjektiv> na baai / <Nomen> no baai / <Bedingungssatz> baai. ha kann optional verwendet werden.

baai ist ziemlich formal und wird eher in der Schriftsprache verwendet.

3. nara

Für diese Form gibt es 3 wichtige Anwendungsgebiete:

1.) nara wird oft verwendet, wenn man etwas aufgreift, was der Gesprächspartner vorher erwähnt hat.

A: Ich will nach Tokyo fahren - Watashi ha Toukyou ni ikitai.

B: Wenn das so ist, dann bringe mir was mit - Toukyou ni iku / ikitai nara, omiyage wo motte kite kudasai.

Im Gegensatz zur "tara"-Form, bei der die Bedingung abgeschlossen sein muß, ist die zeitliche Beziehung bei "nara" völlig egal.

2.) nara ist oft die Form der Wahl bei NA-Adjektiven und Nomen ohne Verb. Sie können Sie sich für diese Fälle als Standard merken.

Im Falle von Regen gehe ich nach Hause - Ame nara, uchi ni kaeru.

Wenn der Computer praktisch ist, kaufe ich ihn - Kono kompyuutaa ga benri nara, kaimasu. benri ist ein NA-Adjektiv, das hier ohne explizites "na" verwendet wird, weil das "na" sozusagen schon im nara drinsteckt.

3.) Wenn die zeitliche Beziehung zwischen Hauptsatz und Bedingung egal ist, muß normalerweise nara benutzt werden. Dies ist auch ein wichtiger Unterschied zur tara-Form, bei der der Nebensatz zeitlich vor dem Hauptsatz liegt.

Wenn es morgen einen Test gibt, sollte man besser früh schlafen gehen - Ashita testo ga aru nara, hayaku neta hou ga ii desu. Die Bedingung liegt hier in der Zukunft.

4.) Es gibt noch eine Spezialanwendung: nara kann den Topicmarker ha ersetzen, um etwa die Antwort auf eine Frage besonders zu betonen.

4. eba: "immer wenn A, dann B"

Bildung: "u" wird ersetzt durch "eba": suru -> sureba. Siehe auch Anhang 1.

Die Bedingung muß schon abgeschlossen sein.

Anwendung: allgemeingültige Aussagen, ähnlich wie to.

Wichtig: im Gegensatz zur tara kann man eba nicht verwenden, wenn der Hauptsatz eine subjektive Äußerung ("man sollte", "es wäre besser" ...). ein Wunsch, Verbot, Befehl, Aufforderung ("-mashou") o.ä. ist. Ausnahme: "wollen", denn die "tai"-Form ist ein Adjektiv und darf daher problemlos verwendet werden.

Wenn Sie zu Fuß gehen, dauert es 30 Minuten - Aruite ikeba, sanjuppun kakarimasu.

Man kann die eba-Form praktisch immer durch eine der anderen ersetzen. Ausnahme: es gibt einige feste Redewendungen mit eba:

Kantan ni ieba - mit anderen Worten / das heißt

Yoku mireba - wenn man genau hinsieht

Yoku kangaereba - wenn man genau darüber nachdenkt

Sou sureba - wenn man das so macht

und einige andere.

5. tara: "wenn" (konditional), oder "als" (zeitlich)

Bildung: "ta"-Form (PL2 Vergangenheit) + ra. Die Vergangenheitsform, die hier eingebaut ist, impliziert bereits, daß zuerst die Handlung des Nebensatzes abgeschlossen sein muß, bevor die Handlung des Hauptsatzes eintreten kann. Auch ein zeitlicher Bezug ist möglich, wenn der Hauptsatz in der Vergangenheit steht.

Wenn das Wetter gut ist, gehe ich in den Garten - Tenki ga yokattara, niwa ni ikimasu.

Wenn wir fertig sind, haben wir eine Pause - Owattara, yasumi ga arimasu.

Wenn ich Geld habe / hätte ... - O-kane ga attara, ... Hier ist es so ohne weiteres nicht klar, ob es sich um eine reale oder irreale Bedingung handelt. Deshalb kann man an den Hauptsatz no ni, deshou oder darou anhängen um klarzumachen, daß die Bedingung irreal ist.

Besonderheit: Steht das Verb des Hauptsatzes in der Vergangenheit, dann ist logischerweise ein Konditional unmöglich: "Konditional" bedeutet "möglicherweise", aber was in der Vergangenheit passiert ist, steht ja schon fest. In so einem Fall drückt die Konstruktion eine Überraschung aus ("plötzlich", "unerwartet").

Depaato ni kaimono ni ittara, sensei ni aimashita - Als ich gestern zum Einkaufen in das Kaufhaus ging, traf ich (plötzlich) meinen Lehrer.

Die tara-Form können Sie immer benutzen, wenn nicht zwingende Gründe eine der anderen Formen verlangen. Wenn Sie es etwas genauer wissen wollen, hier die Haupt-Anwendungsgebiete: Bitte / Wunsch / Aufforderung (d.h. subjektive Äußerung), einmalige Ereignisse mit Zukunftsaspekt (im Gegensatz zu to, das oft bei regelmäßigen Ereignissen benutzt wird, die logischerweise keinen bestimmten Zukunftsaspekt haben), temporal (Hauptsatz in der Vergangenheit, ähnlich wie to in diesem Fall).

6. to: einfaches "wenn - dann" (konditional) oder "als" (temporal)

Der Nebensatz steht immer in der Gegenwartsform, nie in der Vergangenheit. Steht der Hauptsatz in der Gegenwart, handelt es sich um einen Konditinalsatz. Steht er in der Vergangenheit, um einen Temporalsatz, und entspricht dem temporalen tara.

Diese Form wird oft benutzt, um mehr oder weniger feststehende Sachverhalte auszudrücken, außerdem für Wegbeschreibungen, Gebrauchsanweisungen, eigene Gewohnheiten (mit itsumo - "immer" o.ä.) und allgemeingültige Aussagen:

Wenn man Alkohol trinkt, wird man lustig - Osake wo nomu to, tanoshiku narimasu.

Wenn man auf den Knopf drück, geht die Tür auf - Kono Botan wo osu to, Doa ga akimasu.

Wenn Sie an der übernächsten Kreuzung links abbiegen, können Sie das Kaufhaus sehen - Futatsume no kousaten wo hidari ni magaru to, Depaato ga miemasu.

Wenn Sie zu Fuß gehen, dauert es 30 Minuten - Aruite iku to, sanjuppun kakarimasu.

Nicht anweden kann man to bei Wünchen, Befehlen, Vorschlägen, Aufforderungen etc. im Hauptsatz.


"bevor", "nachdem"

Eben haben wir die Kostruktion mit toki kennengelernt. Für sie gibt es aber noch mehr Anwendungsmöglichkeiten:

1. <Nebensatz Grundform Präsens> toki, <Hauptsatz Gegenwart oder Vergangenheit> - wenn, während, bevor

2. <Nebensatz Grundform Vergangenheits> toki, <Hauptsatz Gegenwart oder Vergangenheit> - nachdem

Beispiele:

Nihon ni iku toki, nani wo shimasu ka? - (kurz) bevor / wenn Sie nach Japan fahren, was machen Sie?

Nihon ni itta toki, nani wo shimasu ka? - Nachdem Sie nach Japan gekommen sind, was machen Sie?

Nihon ni itta toki, nani wo shimashita ka? - Nachdem Sie nach Japan gekommen sind, was haben Sie gemacht?

Gohan wo taberu toki, te wo araimasu - Vor dem Essen wäscht er sich die Hände.

Gohan wo tabeta toki, te wo araimasu - Nach dem Essen wäscht er sich die Hände.


"gerade eben", "vor kurzen"

Verb-Vergangenheit-Grundform bakari desu

bakari heißt für sich allein "nur", "nichts außer". In einem Satz gemäß der hier vorgestellten Konstruktion heißt es "gerade eben (gemacht)".

Beispiele:

Hokkaidou ni itta bakari kara, ... - da ich gerade in Hokkaidou war, ...

Ima okita bakari desu - Ich bin gerade aufgestanden.

Ryokou kara kaetta bakari desu - Ich bin gerade von der / einer Reise zurückgekommen.


Passiv (Ukemikei)

Im Japanischen gibt es drei Anwendungsmöglichkeiten des Passivs. Zwei davon entsprechen etwa dem, was wir aus europäischen Grammatiken vom Passiv gewöhnt sind, z.B.

Ich kaufe ein Buch -> Das Buch wird von mir gekauft.

So eine Konstruktion ist auch im Japanischen ohne weiteres möglich. Das "von" wird im Japanischen ni, kara (kann ni ersetzen, wenn in dem Satz schon mehrere ni vorkommen) oder ni yotte (bei Verben der Schöpfung, etwa "Buch schreiben", "Bild malen").

Zum anderen gibt es noch eine Form, die auch "Passiv" heißt und grammatikalisch auch so (ähnlich) aussieht, aber eine ganz andere Bedeutung hat und sich auch praktisch nicht wörtlich übersetzen läßt: jemandem passiert etwas durch eine andere Person. Dazu später mehr, zunächst die Konjugationsformen:

-uru wird -areru.

Beispiele:

Ausnahmen sind, wie immer, die beiden unregelmäßigen Verben: suru -> sareru, kuru -> korareru. Eine scheinbare Unregelmäßigkeit gibt es auch bei Verben auf -u (Silbe u, nicht Buchstabe u): au -> awareru, kau -> kawareru. Das kommt daher, daß dieses u früher wu war, also zu wa wird, genau wie bei der Verneinung.

Übrigens: die Passiv-Form sieht für die schwachen Verben genauso aus wie die Potential-Form. Während für diese aber in der heutigen Sprache die Silbe "ra" mehr und mehr wegfällt (tabereru statt taberareru), ist das beim Passiv nicht der Fall.

1. Art: normales Passiv

Der Lehrer tadelt mich - Sensei ha watashi wo okoru. Passiv: Ich werde vom Lehrer getadelt - Watashi ha sensei ni okorareru.

Ich esse den Reis - Boku ha gohan wo tabemasu. Passiv: Der Reis wird von mir gegessen - Gohan ha boku ni taberaremasu.

2. Art: Allgemeine Aussagen

In Japan werden Kanji verwendet - Nihon de (oder de ha) Kanji ga tsukawarete imasu. tsukau = "benutzen"

Die Werke von Goethe sind alle ins Japanische übersetzt worden - Geete no Sakuhin ha mina Nihongo ni yakusarete imasu. yakusu = "übersetzen".

In England wird oft Tee getrunken - Ingirisu de ha koucha ga yoku nomaremasu. koucha = "schwarzer Tee", nomu = "trinken".

3. Art: Passiv des Leidens (Meiwaku no Ukemikei)

Derjenige, dem etwas (meist ungünstiges) passiert, ist Hauptnomen eines solchen Satzes (Partikel ha). Derjenige, der für die Handlung verantwortlich ist, bekommt die Partikel ni. Gibt es ein direktes Objekt (Partikel wo), so bleibt dieses erhalten.

Meine Frau hat mein Auto verkauft. Betroffen bin ich (watashi ha). Handelnde Person ist meine Frau (kanai ni). watashi ha kanai ni kuruma wo uraremashita. Wörtlich: "Ich von meiner Frau das Auto verkauft worden."

Mir wurde das Bier weggetrunken -watashi ha biiru wo nomaremashita. In diesem Fall gibt es keine explizit erwähnte handelnde Person.

Watashi ha ame ni furareru. Stück für Stück aufgedröselt: Ame ga furu heißt Es regnet (Regen fällt herunter). Betroffener bin ich (watashi ha), handelnd ist der Regen (ame ni). Sinngemäß bedeutet dieser Satz ungefähr: Ich wurde naßgeregnet.

Nehmen wir an, die Mutter besitzt eine Uhr, die von ihrem Kind kaputt gemacht wurde. Okaasan ha kodomo ni tokei wo kowasaremashita - Der Mutter wurde von ihrem Kind die Uhr kaputt gemacht.

Ich werde jeden Tag von meinem Nachgarn heimgesucht - Boku ha mainichi tonari no hito ni koraremasu. kuru = "kommen".


transitive und intransitive Verben

Transitive Verben haben ein Akkusativ-Objekt, intransitive nicht. Im Japanischen ist die Grammatik für die beiden Typen etwas verschieden: die Verbformen unterscheiden sich, und die Partikel sind anders. Oft ist es so, daß die transitive Form auf "-eru" und die intransitive auf "-aru" endet. Zu beachten ist, daß "-eru"-Verben schwache Verben sind, wohingegen solche auf "-aru" starke Verben sind.


indirekte Rede, Zitat

Im Deutschen geht das so:

A: "Ich gehe in die Schule."

B zu C: "A sagte, er gehe in die Schule."

Im Japanischen macht man das folgendermaßen:

A: "Watashi ha gakkou ni ikimasu".

B zu C: "Gakkou ni iku to iimashita (PL3) bzw. Gakkou ni iku to itta (PL2). Dabei wird der zitierte Satz in die Grundform (PL2) konvertiert. Die Höflichkeitsstufe des Gesamt-Satzes wird durch das letzte Verb ausgedrückt.

Allgemein: <Satz wie gesagt> to itta / iimashita.

Zitiert wird mit eckigen Klammern plus to iu:

JASMS Japanisch Sprachkurs - Zitat

Diese Klammern entsprechen unseren Anführungszeichen: "...". Da der Standard-Computerzeichensatz diese eckigen Klammern nicht enthält, verwende ich hier notgedrungen unsere Anführungszeichen.

Beispiel: Herr Yamaguchi sagte: "Ich fahre nicht nach Sapporo" - Yamaguchi-san ha "Sapporo ni ikimasen" to iimashita.


Relativsätze

Wie alles in der japanischen Grammatik, so sind auch Nebensatzkonstruktionen eigentlich ganz einfach. Da es kein Relativpronomen und somit auch keine Relativsätze gibt, werden Nebensätze attributiv gebildet.

Beispiel: Folgender Satz wird zum Nebensatz: "Gestern kam ein Mann" - "Kinou hito ha kimashita". Der Hauptsatz lautet: "Der Mann kauft heute ein Auto" - Hito ha kyou kuruma wo kaimashita. Im Deutschen lautet die Relativsatzkonstruktion dann: Der Mann, der gestern kam, kauft heute ein Auto. Attributiv: Der gestern gekommen seiende Mann kauft heute ein Auto - Kinou kita hito ha kyou kuruma wo kaimasu. Beachten Sie, daß das Nebensatz-Verb normalerweise PL2 ist.

Auch Adjektive sind eigentlich kleine attributive Nebensätze. Ein Beispiel mit einem NA-Adjektiv: Das Mädchen hat schöne Blumen bekommen - Musume ha kirei na hana wo moraimashita. "Kirei na" ist eine Abwandlung von "kirei da" - ist schön / schön seiend.

Mit einem echten Adjektiv: Frau Hayashi hat gestern frischen Fisch gegessen - Hayashi-san ha kinou atarashii sakana wo tabemashita. Man sieht es dem Adjektiv nicht so ohne weiteres an, daß es ein kompletter Nebensatz ist. Wenn man aber z.B. die Aussage verneint: Hayashi-san ha kinou atarashikunai sakana wo tabemashita - Frau Hayashi hat gestern nicht frisch seienden Fisch gegessen, dann wird der Sachverhalt deutlich.

Und was lernt man daraus (unter anderem): man kann nie wörtlich übersetzen. Wenn nicht mal so was einfaches wie Adjektive 1:1 zusammen passt ...

Ist der Nebensatz nicht Attribut eines Nomens, sondern selbst das Nomen, dann wird es mit no ha (oder no ga, falls das erforderlich ist) mit dem Hauptsatz verbunden. (Im Deutschen wird ein an sich fehlendes Nomen oft durch "es" ersetzt.)

Beispiel: Ist es teuer, nach Japan zu reisen? - Nihon ni iku no ha takai desu ka. Und ein Beispiel mit no ga: Ich liebe es, Anime zu sehen - Watashi ha anime wo miru no ga suki desu. Die Grundkonstruktion für "mögen" lautet (in diesem Fall): <jemand> ha <etwas> ga suki da / desu.


Finalsatz: "um zu" / "damit"

1. "um zu" vor Verben der Bewegung

Ein typisches Beispiel wäre: Ich ging in das Kaufhaus um einzukaufen - Depaato he kai ni ikimashita. Die allgemeine Konstruktion sieht so aus: <Nebensatz, Verb-"masu"-Stamm> ni <Verb der Bewegung>. Verben der Bewegung sind (hauptsächlich) iku, kuru, kaeru, ihre PL4-Versionen und einige weitere, seltener verwendete Verben.

Weitere Beispiele:

Eiga wo mi ni, eigakan ni ikimashita - Um den Film zu sehen, ging ich ins Kino. (mi = "masu"-Stamm von miru). Das Komma zwischen den beiden Satzteilen ist, wie immer, optional, macht die Sache aber etwas übersichtlicher.

Koohii wo nomi ni kissaten ni ikimashita - Um Kaffee zu trinken, ging ich ins Cafe.

2. Finalsatz bei sonstigen Verben mit "tame ni"

<Satz 1> tame ni <Satz 2>.

Oder <Nomen> no tame ni <Satz 2>.

3 Finalsatz bei sonstigen Verben mit "you ni"

<Satz 1> you ni <Satz 2>.

Beispiele: Damit es im Zimmer warm wird, habe ich die Heizung eingeschaltet - Heya ga atatakaku naru you ni, boku ha hiitaa wo tsukemashita.

Ich jogge täglich, damit ich nicht dick werde - Futoranai tame ni, mai nichi jogingu wo shite imasu. futoru = "dick / fett werden".

tame ni kann nicht benutzt werden, wenn im Nebensatz ein Potentialis steht: Um eine japanische Zeitung lesen zu können, lerne ich Japanisch - Nihongo no Shinbun wo yomeru you ni, Nihongo wo benkyou shimasu. (Negierte "können"-Formen sind allerdings zulässig.) Außerdem muß bei tame ni das Subjekt in Haupt- und Nebensatz gleich sein.


"daß"

"daß" heißt to iu koto.

Die Leute glauben, daß die Erde rund ist - Hito ha chikyuu ga marui to iu koto wo omotte imasu. (chikyuu - "(Planet) Erde", omou - "denken", "glauben".) Es liegt hier eine typische japanische Nebensatzstruktur vor: der Nebensatz wird in den Hauptsatz eingeschoben. Hauptsatz: Hito ha ... wo omotte imasu - "die Leute glauben" (etwas, nämlich "die Erde ist rund").


Kausativ

Eine im Japanischen recht häufig verwendete Konstruktion ist die Veranlassungsform (Kausativ) aktiv und passiv.

Kausativ aktiv Kausativ passiv
Starke Verben <Verneinungs-Stamm> + aseru <Verneinungs-Stamm> + aserareru
Schwache Verben <Stamm> + saseru <Stamm> + saserareru
suru saseru saserareru
kuru kosaseru kosaserareru

Im Satz: <Subjekt> ha <jemanden> wo / ni <veranlaßte Handlung>. wo nimmt man bei intransitiven Verben, ni bei transitiven, weil dort wo schon für das direkte Objekt vergeben ist.

Beispiele für Kausativ-aktiv: Ich lasse Frau Nomura den Brief schreiben - Watashi ha Nomura-san ni tegami wo kakasemasu. kaku - "schreiben" (transitiv).

Die Mutter schickt das Kind zum Einkaufen - Okaasan ha kodomo wo kaimono ni ikasemasu. iku - "gehen" (intransitiv).

Bitte lassen Sie mich diese Zeitung lesen - Watashi ni kono Shinbun wo yomasete kudasai. yomu - "lesen" (transitiv). Das Subjekt ("anata ha" o.ä.) ist in diesem Satz weggelassen.

Man darf Kinder nicht zu viel fernsehen lassen - Kodomo ni terebi wo mi-sugisasete ha ikemasen. miru - "sehen", misugiru - "zu viel sehen", -te ha ikemasen - "nicht dürfen".

Beispiele für Kausativ-passiv: Ich wurde vom Lehrer dazu verdonnert, ein Referat zu schreiben - Watashi ha Sensei ni Happyou wo kakaseraremashita.

Meist wird diese Form verwendet, wenn einem etwas Unangenehmes widerfährt. Sie hat eine ähnliche Bedeutung wie "müssen", aber mit starker Betonung darauf, daß der Zwang von außen kommt.


Nominalisierung: "Art und Weise"

Diese Form wird gebildet mit dem "masu"-Stamm + kata.

tsukau -> tsukaikata: benutzen -> Benutzungsart / Art und Weise, (es) zu benutzen

ikiru -> ikikata -> Lebensweise

Ein kompletter Satz als Beispiel: Sumimasen, ofuro no hairikata wo oshiete kudasai - Entschuldigung, können Sie mit bitte zeigen / erklären, wie man das Bad benutzt. (hairu / hairimasu= "hineingehen". Näheres zur Beutzung japanischer Bäder finden Sie bei den Reisetips.)


Erstellt am 18.10.1998. Letzte Änderung: 19.9.2014

  1. Einführung
  2. Die Aussprache
  3. Grammatik I: Grundlagen
  4. Grammatik II: Satzbau
  5. Grammatik III: Zahlen und Adjektive
  6. Grammatik IV: "te"-Form, fortgeschrittene Konjugation
  7. Schrift I: Kana
  8. Schrift II: Kanji - Einführung
  9. Schrift III: Kanji - Grundwortschatz, Besonderheiten
  10. Schrift IV: Kanji-Radikale und Entwicklung
  11. Schrift V: Wichtige Begriffe und Redewendungen
  12. Schrift VI: Wichtige Begriffe aus "Sailor Moon"
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