Kurzer Überblick über die japanische Geschichte

Bemerkung vorab: die Details der Zeiteinteilung und die Namen der Perioden variieren mehr oder weniger, je nachdem, welche Quelle man heranzieht. Und da ich diese Übersicht im Laufe mehrerer Jahre zusammengetragen habe, spiegeln sich diese unterschiedlichen Materialien entsprechend wider. Ich habe nicht versucht, die Daten mit Gewalt konsistent zu machen, sondern die Angaben so belassen, wie ich sie bei den verschiedenen Quellen vorgefunden habe.

Zunächst ein Kurz-Überblick:

Joumon-Zeit (meist "Jômon-Zeit" geschrieben): 7000 - 250 v. Chr.

Yayoi-Zeit: 250 vor - 300 n. Chr.

Yamato-Zeit: 300 - 645

Nara-Zeit: 710 - 784

Heian-Zeit: 794 - 1185

Kamakura-Zeit: 1185 - 1333

Ashikaga-Muromachi-Zeit: 1338 - 1573

Innerhalb davon: Sengoku-Zeit: 1467 - 1568

Azuchi-Momoyama-Zeit: 1568 - 1600

Tokugawa / Edo-Zeit: 1600 - 1867 (Edo ist der alte Name von Tokyo)

Ab hier werden die Perioden nach dem Regierungsmotto des jeweiligen Kaisers benannt:

Meiji-Zeit: 1868 - 1912

Taishou-Zeit: 1912 - 1925

Shouwa-Zeit: 1926 - 1989

Heisei-Zeit: seit 1989


Ein Charakteristikum der japanischen Zivilisation ist, daß sie immer wieder ungewöhnlich offen für ausländische Einflüsse war und zahllose kulturelle Errungenschaften, zunächst hauptsächlich auch China und Korea, in moderner Zeit auch aus dem Westen, auf nützliche Art der eigenen Kultur zugefügt hat.

bis ca. 8000 v. Chr.

Bis zum Ende der vorerst letzten Eiszeit war Japan im Norden und Süden über Landbrücken mit dem Festland verbunden und wurde auf diese Weise besiedelt.

5000 v. Chr.

Joumon-Kultur.

660 v. Chr.

Legendäre Reichsgründung.

bis etwa 500 - 300 v. Chr.: Steinzeit

Die damaligen Japaner lebten als Jäger und Sammler. Vor dem Jahr 300 v. Chr. gab es keinen Ackerbau.

Was den Glauben betrifft, so war nach der Ansicht der Japaner alles, was sie um sich herum sahen, von Geistern beseelt. Sogar Wörter konnten Geister beherbergen. Für diese "Religion" gibt es keinen japanischen Namen, man nannte sie später auf Chinesisch Shintou. Ihr fehlt fast alles, was nach den Kriterien unserer Wissenschaft eine Religion ausmacht: kein Gründer, keine heiligen Schriften, kein Dogma. Und keine nennenswerte Beschäftigung mit dem Tod und einem "Leben" danach.

300 vor bis 300 nach Chr: Yayoi-Zeit

Beginn der Eisenzeit.

Auffällig daran sind 2 Dinge: erstens ist die Bronzezeit mehr oder weniger ausgefallen, und zweitens kam diese kulturelle Errungenschaft, wie so viele andere auch, aus China. In dieser Zeit begann man auch erst mit dem Ackerbau und führte die Töpferscheibe ein.

Genannt wird diese Zeit nach einer Keramiksorte Yayoi-Kultur.

ab ca. 350: Yamato-Zeit

Dies ist eine interessante Zeit, in der es zu alles umfassenden Veränderungen kam. Aus China wurden Kulturgüter aller Art (Schrift, Religion, Architektur, Staatsverwaltung) importiert. Es geschah u.a. folgendes:

Etwa 1/3 der japanischen Oberschicht zu dieser Zeit waren Koreaner.

Bemerkenswert ist, daß die Übernahme ausländischer Einflüsse sehr überlegt erfolgte. Es wurde vorher abgewogen, was für die eigene Gesellschaft brauchbar war. Vergleichbares ereignete sich über 1000 Jahre später wieder in der Meiji-Zeit, als japanische Experten alle zivilisierten Länder der Welt besuchten und sich ansahen, was sie für ihr Land übernehmen konnten. (Heraus kam dabei hauptsächlich eine Übernahme von Technologie; Religion wurde zum Beispiel abgelehnt.)

ab 592 n. Chr.: Asuka-Zeit

ab 710 n. Chr.: Nara-Zeit

Gründung der Hauptstadt Nara. Erste literarische Werke.

794 - 1185: Heian-Periode

794 wurde die kaiserliche Residenz nach Kyoto (Heian) verlegt.

Um 800: Einführung des Drucks mit Holzlettern.

Die offiziellen Auslandkontakte wurden während dieser Zeit und bis etwa 1500 stark zurückgenommen.

1185: Kamakura-Periode

Hier endet das sogenannte japanische Altertum. Das Mittelalter beginnt.

1334: Yoshino-Zeit

Herrscherfamilie: Ashikaga (1338 - 1573)

In der Nanbokuchou-Zeit (1337 - 1392) war die Herrschaft geteilt in eine Nord- und eine Süd-Dynastie.

1392: Muromachi-Periode

Etwa im Jahre 1543 landeten die ersten Portugiesen. Es folgten Versuche der christlichen Missionierung, die teilweise aus politischen Gründen gerne angenommen wurde. Die Anzahl der Christen betrug gegen Ende des 16. Jh. ca. 600.000.

1568: Azuchi-Zeit

1582: Momoyama-Zeit

Verbot der christlichen Missionierung ab 1587. Erste Christenverfolgungen gab es ab 1597. 1614 wurden die Christen dann zu Staatsfeinden erklärt und viele von ihnen getötet. Man befürchtete nämlich ein Unterwanderung des eigenen Staates und anschließende Kolonisierung durch Europa. Beispiele dafür gab es ja genug, auch in Japans näherer Umgebung.

In diese Zeit fallen zahllose Auseinandersetzungen und Kriege mächtiger Familien und Provinzen, die erst durch den Sieg von Tokugawa Ieyasu beendet wurden. So wie es im 19. Jh. im Wilden Westen der USA viele Revolverhelden gab, so ist diese Zeit für Japan die Zeit der klassischen Samurai-Helden. Die wurden dann nämlich durch Tokugawa nach seinem Sieg 1600 abgeschafft bzw. zu Bürohengsten umfunktioniert, denn für Verwaltungsaufgaben eigneten sie sich auch gut. Sie bildeten aber nach wie vor die gebildete Oberschicht, durften aber in der neu geschaffenen Klassengesellschaft keinen Grundbesitz haben.

1600 / 1603 - 1868: Shogunat (Edo - oder Tokugawa-Periode)

Ende des japanischen Mittelalters, Beginn der frühen Neuzeit.

1618 - 1648 tobte in Europa und vor allem im Ersten Reich als Hauptschauplatz der Dreißigjährige Krieg, der materiell und territorial für Deutschland ähnlich verheerend war wie der 2. Weltkrieg. Auch Japan hatte kurz vorher vergleichbares durchgemacht, allerdings ohne Überfälle von außen.

Fürst Tokugawa Ieyasu besiegte in den Jahren vor 1600 nach und nach alle seine Feinde und beendete damit einen langjährigen Bürgerkrieg. Er schuf eine neue Gesellschaftsordnung, die über 250 Jahre lang halten sollte. Folgendes ist dabei bemerkenswert:

Das starre System, das Tokugawa eingeführt hatte und das seine Nachfolger möglichst unangetastet lassen wollten, konnte im Laufe der Zeit den gesellschaftlichen Veränderungen nicht mehr gerecht werden. Am Ende waren die meisten Gebietsfürsten und Samurai bei den eigentlich ganz unten stehenden Krämern hoch verschuldet. Auch kam es zu sich ständig steigernden Revolten der hungernden Landbevölkerung, weil die in Reis und anderen Naturalien zu entrichtenden Steuern nicht den Bevölkerungsveränderungen angepaßt und auch bei Mißernten nicht ermäßigt oder ausgesetzt wurden. So kam es beispielsweise 1837 in Osaka eine Reis-Revolte.

Das Shogunat wäre also auch ohne den Besuch amerikanischer Kriegsschiffe wahrscheinlich früher oder später zusamengebrochen.


1853 und 1864

1853 demonstrierten die Amerikaner der Welt, was sie von der Souveränität fremder Staaten hielten (und bis heute halten), nämlich nichts. Nach dem guten alten Recht des Stärkeren erschien der US-Admiral Perry mit einem Flottengeschwader in Japan (genauergesagt in der tokyoter Bucht) und zwang die Regierung, das Land für den Handel zu öffnen. (Die entsprechenden Verträge wurden allerdings er 10 Jahre später, 1865, vom Koumei-Kaiser unterzeichnet.) Dies war für die erstarrte Gesellschaft ein Schock: man war infolge der eigenen technologischen Rückständigkeit, der man sich sehr wohl bewußt war, einem fremden Eindringling völlig wehrlos ausgeliefert. Und so kam es zu einer in der Geschichte der Menschheit sehr bemerkenswerten 180-Grad-Kurswechsel. Staat und Gesellschaft wurden in nur 1 - 2 Generationen völlig umgekrempelt. Es blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Leider wurden auch viele kulturelle Errungenschaften dabei eingestampft.

1868 Meiji-Restauration

Nachdem die Shougune also abgewirtschaftet hatten, suchte man einen neuen Ordnungsfaktor und fand ihn im Kaiser (Tennuo), der auf eine 2000-jährige Tradition zurückblickte. Indem man dem Kaiser nun einen großen Teil der Staatsgewalt übertrug, ging man in der Geschichte 1000 Jahre zurück, denn seitdem hatten die Kaiser keine echte Macht mehr besessen, sondern nur noch repräsentiert und dem religiösen Leben vorgestanden.

"Man" war übrigens hauptsächlich die schon erwähnten Touzama, die 250 Jahre zuvor gegen Tokugawa verloren hatten und von diesem in entfernte Provinzen (hauptsächlich Kyuushuu und Shikoku) verbracht worden waren. Nun waren sie wieder da und trieben die Umwälzungen voran.

Es wurde auch eine Kommission entsandt, die die ganze Welt bereiste und sich die technischem, militärischen und zivilisatorischen Errungenschaften der einzelnen Länder genauestens ansah. Besonders beeindruckt war man dabei von Preußen. Noch heute tragen japanische Schüler Schuluniformen, die preußischen Heeresuniformen nachempfunden sind. (Mädchen haben übrigens englische Marineuniformen, zu sehen in mindestens jedem zweiten Anime.)

Mit der Meiji-Restauration entstand (nach und nach) das, was wir heute als modernes Japan kennen: eine westliche Industriegesellschaft, allerdings ohne die Aufgabe so vieler typisch japanischer Wesenszüge.

Übrigens: es war keineswegs von Anfang an so, daß die neuen Industriearbeiter ein Leben lang bei einer Firma arbeiten konnten, wie das heute (teilweise: nur bei 30% der Angestellten!) der Fall ist. Es gab genauso ein Arbeiter-Proletariat wie im frühkapitalistischen Europa. Im Zweiten Deutschen Reich löste man das Problem mit der Einführung der Sozialversicherungen, in Japan dadurch, daß sich die Firmen für ihre Mitarbeiter verantwortlich zu fühlen begannen.

20. Jh.

Tennou: Meiji (1868 - 1912), Taishou (1912 - 1926), Shouwa (1926 - 1989), Akihito (Heisei, seit 1989).

Wiederum orientiert sich Japan am ausländischen Vorbild. In Europa herrschte die Hoch-Zeit des Kolonialismus, und auch die USA waren mit ihren Raubkriegen (äh, "humanitäre Missionen" meine ich natürlich) beschäftigt. Also beschloß die japanische Führung, ebenfalls ein koloniales Imperium zu errichten. Nach dem Sieg über Rußland 1908 wurde Japan schlagartig für den Westen interessant.

1.9.1923: großes Kantou-Erdbeben. Die Kantou-Ebene ist die große Ebene um Tokyo, und diese samt der Hauptstadt wurde damals durch das Beben und die anschließenden Brände praktisch dem Erdboden gleichgemacht.

In den 30er Jahren führte Japan ein Eroberungskrieg in der Mandschurei, der sich dank amerikanischer Waffenlieferungen an die Chinesen endlos hinzog.

Nachdem Japan so plötzlich und nicht ganz freiwillig vom Feudalstaat zur Industriegesellschaft geworden war, entwickelte es zwangsläufig eine enorme Nachfrage nach Rohstoffen und vor allem Öl. Mangels eigener Bodenschätze mußten diese importiert werden, mit der wichtigste Grund für den Wunsch nach einem Kolonialreich. Mit der Ölwaffe gelang es dann den USA, Japan in den 2. Weltkrieg zu treiben - das letzte, was die japanische Führung sich gewünscht hatte. Doch Japan hat sich von den verheerenden Folgen des Krieges wieder prächtig erholt und mischt heute bei den Industriemächten ganz vorne mit.


Erstellt am 25.10.1998. Letzte Änderung: 16.1.2011

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