Religion der Japaner

1)

Die Fragen, die wir stellen, legen die Antworten fest, die wir bekommen können.

Wenn Sie jemanden fragen, welche Religion er hat, dann erwarten Sie eine Anwort wie "Christ", "Katholik" oder "Moslem".

Japaner, die mit diesem Aspekt der westlichen Kultur vertraut sind, haben es sich daher angewöhnt, eine Antwort zu geben, die wir erwarten, etwa "Buddhist" oder "Shintoist". Die tatsächlichen Verhältnisse liegen in diesem Fall aber erheblich komplizierter. Das fängt schon mit dem Begriff "Gott" an, der die Wörterbuch-Übersetzung "kami" hat. Dabei muß man wissen, daß unser Gott und die japanischen Kami wenig bis nichts miteinander zu tun haben.

Die ursprüngliche Religion im prähistorischen Japan war eine Natur-Religion, die wir heute unter dem Namen "Shintoismus" führen ("SHIN" ist die ON-Lesung von "kami", "TOU" = "Weg"). Diese Religion hat kein Dogma, keinen Gründer, keine heilige Schrift und keinen Gott, sondern verehrt Naturphänomene, etwa alte Bäume, Flüsse und Quellen. In jedem davon steckt eine Gottheit - kami. Damit wird klar, daß diese Götter begrifflich von unserem Gott, der die Welt erschaffen hat etc., völlig verschieden sind.

Später kam aus Indien (bzw. Nepal) über China der Buddhismus nach Japan, der auch eher eine Lebens-Philosophie als eine Religion ist. Diese beiden völlig unterschiedlichen Systeme existieren seitdem in Japan einträchtig nebeneinander. Zu bestimmten Anlässen besucht man einen Shinto-Schrein, zu anderen einen buddhistischen Tempel, manchmal auch eine christliche Kirche. Diese sind vor allem bei Hochzeiten recht beliebt, denn so eine Hochzeit nach westlichem Vorbild mit weiß gekleideter Braut gefällt vielen Japanerinnen.

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Um die Frage nach der Religion der Japaner nun mit diesem Hintergrund zu beantworten: am einfachsten ist es bei den japanischen Christen, die etwa 1% der Bevölkerung stellen. Sie sind eben Christen, wie wir sie kennen. Die übrigen Japaner mögen durchaus gläubig sein, gehören aber keiner festen, wohl definierten Religion in unserem Sinne an. Japan ist eben auch in dieser Hinsicht etwas besonderes. (Nebenbei: Krieg und Massenmord im Namen eines Gottes ist in Japan dementsprechend auch völlig unbekannt.)

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Noch eine Bemerkung zum Tennou: manche Japaner glauben, der japanische Kaiser verkörpere ebenfalls einen Kami. Wenn man das ohne Berücksichtigung des kulturellen und religiösen Hintergrundes übersetzt, heißt das ganz leicht, die Japaner verehrten ihren Kaiser als Gott, was dann im Westen günstigstenfalls auf völliges Unverständnis stößt, obwohl es etwas ganz anderes bedeutet. In der Tat ist der Tennou eher der oberste Priester und damit ein Äquivalent zum Papst als ein Kaiser.


2)

In Japan gibt es eine reichhaltige Vorstellung von Geistern, Dämonen und übersinnlichen Wesen aller Art, und dementsprechend auch viele Wörter dafür, etwa Mononoke, Bakemono, Yuurei usw. Und der Spruch, mit dem man böse Geister austreibt, lautet:

Rin Pyou Tou Sha Kai Jin Retsu Zai Zen

Zu sehen ist er beispielweise in Teil 4 von Ai yori Aoshi Enishi.


Erstellt am 19.3.2003. Letzte Änderung: 19.1.2011

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